Edmund Stoiber
… dass Sie schon besser Deutsch sprechen als der frühere Ministerpräsident von Bayern? Lesen Sie eine Rede von Edmund Stoiber (CSU) aus dem Jahr 2002. Das Thema: der „Transrapid“, ein Schnellbahnprojekt zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen München. Das Projekt wurde NICHT realisiert. Kein Wunder, nach dieser Rede:

"Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München ... mit zehn Minuten, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine s ... äh, Charles de Gaulle in Frankreich oder in ... ähh, in ... in ... ähh, in ähh Rom. Wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen, dann werden Sie feststellen, dass zehn Minuten ... Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen, um ihr Gate zu finden. Wenn Sie vom Flug ... vom ... vom Hauptbahnhof starten, ... Sie steigen in den Hauptbahnhof ein, Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in ... an den Flughafen Franz Josef Strauß. Dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in München. Das bedeutet natürlich, dass der Hauptbahnhof ... im Grunde genommen näher an Bayern ... an die bayerischen Städte heranwächst, weil das ja klar ist, weil auf dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zusammenlaufen."

Hier können Sie Stoibers Rede hören.

Und hier können Sie eine geniale Vertonung von Stoibers Rede durch den Schlagzeuger Jonny König (mit Band) sehen und hören:

Mein Onkel Ulrich Specht

Das ist mein Onkel Uli

Er ist 1922 in München geboren. Als Kind und Jugendlicher war er sehr lieb und nett und hat immer allen geholfen. Alle haben ihn gern gehabt. Er war auch sehr gut in der Schule. Nach seinem Abitur hat er von 1940 bis 1941 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Zeitungswissenschaften studiert.

Dann hat Herr Hitler ihn in den Krieg nach Russland geschickt. Bei Woronesch hat ihn eine Granate verletzt. Fast sechs Wochen lang hat man ihn von einem Lazarett ins nächste transportiert:  von Woronesch nach Konotov, von Konotov nach Lublin und am Ende nach Prag. Dort ist er am 25. September 1942 an Blutvergiftung gestorben. Er war 20 Jahre und drei Monate alt.

Ich bin 1958 geboren. Meinen Onkel Uli durfte ich leider nicht kennenlernen.

 

Ulrich Specht Todesurkunde

Wortschatz:

  • der Onkel, Plural: die Onkel; mein Vater/meine Mutter hat einen Bruder: das ist mein Onkel.
  • das Abitur (nur Singular), Kurzform: Abi; das Abitur ist der Schulabschluss auf dem Gymnasium. Man sagt auch Reifezeugnis. Mit dem Abitur kann man auf die Universität gehen.
  • der Krieg, Plural: die Kriege; (war, guerre, guerra, война́, 兵火)
  • die Granate, Plural: die Granaten; (grenade, granada, granata, грана́та, 炮弹)
  • das Lazarett, Plural: die Lazarette; ein Lazarett ist ein mobiles Krankenhaus im Krieg.
  • die Blutvergiftung (med.: Sepsis); (sepsis, septicémie, sepsi, се́псис, 败血症)

Moschee im Schwetzinger Schlosspark

2010

sagt Bundespräsident Christian Wulff: „… der Islam gehört … auch zu Deutschland.“ Die meisten Muslime in Deutschland und viele nichtmuslimische Deutsche freuen sich über diesen Satz und finden ihn richtig. Nicht wenige Deutsche finden ihn falsch.

1814

liest Johann Wolfgang von Goethe die Gedichte von Hafis. Goethe findet sie so toll, dass er 1819 in seinem Buch „West-östlicher Divan“ schreibt:

„Wer sich selbst und andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen.“

1793

wird die Moschee im Schlossgarten von Schwetzingen fertig. Sie ist nicht wirklich ein Gotteshaus, aber sie zeigt, wie sehr sich manche Deutsche schon vor 220 Jahren für den Orient und den Islam interessiert haben.

Erklärungen und Wortschatz:

  • Hafis: Dichter aus Persien (14. Jahrhundert)
  • Orient: Osten, ‚Morgenland‘ (wo die Sonne aufgeht)
  • Okzident: Westen, ‚Abendland‘ (wo die Sonne untergeht)
  • sind nicht mehr zu trennen: gehören zusammen
  • Schwetzingen ist eine Stadt im Norden von Baden-Württemberg, in der Nähe von Heidelberg und Mannheim. Die Moschee wollte Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz in seinem Schlossgarten haben. Karl Theodor hat sich für Voltaire und die Aufklärung interessiert.
  • der Islam; nur Singular (伊斯兰教)
  • die Moschee; Plural: die Moscheen (mosque, mosquée, mezquita, moschea, мече́ть, 回教堂)

Quizfrage: Welche Aussage ist richtig?

  • a) In Deutschland gibt es fast keine Muslime (weniger als ein Prozent).
  • b) 22 bis 25 Prozent der Menschen in Deutschland kommen aus islamischen Ländern.
  • c) In Deutschland sind etwa 4 bis 5 Prozent der Menschen Muslime.

Markieren Sie diese Zeile, dann sehen Sie die Lösung: Antwort c ist richtig

 

Vorsicht bissiger Mund!

Das ist ein Schild auf einer Tür. An einem Haus gleich bei mir um die Ecke. Okay, ich gebe es zu: so ein Schild gibt es gar nicht wirklich. Der Originaltext war: „Vorsicht bissiger Hund“. Ich habe aus dem „H“ ein „M“ gemacht. Mit Photoshop. :-)

Wortschatz:

  • beißen (Verb): wenn man ein Brötchen isst, beißt man mit dem Mund und den Zähnen hinein.
  • bissig (Adjektiv): wenn ein Hund gern Menschen beißt, dann sagt man: „Er ist bissig“ oder: „Das ist ein bissiger Hund“.
  • Wenn man etwas Unfreundliches oder Verletzendes zu jemandem oder über etwas sagt, dann „macht man eine bissige Bemerkung“.
  • Wenn jemand oft bissige Bemerkungen macht, so habe ich gedacht, dann hat er wohl einen „bissigen Mund“.

Na, du kleines Ferkel!?

"Na, du kleines Ferkel?!" (Farbzeichnung von Gisela Specht)

Folge 1: Das Schwein

Schweinesteak, Schweinebraten, Schweinsbratwurst: man isst gern und viel Schweinefleisch in den deutschsprachigen Ländern. Außerdem bringen Schweine Glück, so glaubt man hier.

Aber mit dem Wort Schwein kann man auch schimpfen. Vor allem wenn Menschen widerlich sind oder nur an sich und ihre eigenen Interessen denken. Macht so eine Person etwas besonders Unsauberes oder Egoistisches, dann nennt man es eine „Schweinerei“. Über die Person sagt man: „So ein Schwein!“

Man kann das Wort auch mit Nomen oder Adjektiven mischen: „Dreckschwein!“, „Wildschwein!“, „Mieses Schwein!“ sind nur ein paar Beispiele. Noch stärker wirkt das Schimpfwort in der weiblichen Form: „So eine Sau!“. Will man es weniger stark haben, wählt man das junge Schwein: „So ein Ferkel!“ Interessant: die männliche Form „Eber“ wird im Deutschen nicht als Schimpfwort benutzt.

Zum Schluss noch ein Tipp:

Es ist gut, wenn Sie diese Schimpfwörter kennen. Benutzen sollten Sie sie aber nur mit großer Vorsicht oder noch besser: gar nicht.

Wortschatz:

  • das Schwein; Plural: die Schweine (pig, porc, guache, suino, свинья́, 畜生)
  • die Schweinerei; Plural: die Schweinereien (rascality, cochonnerie, putada, porcheria, сви́нство, 下流话)
  • dreckig – das Gegenteil von sauber (dirty, boueux, cochino, sporco, гря́зный, 污浊)
  • mies – schlecht, krank, hässlich (mean, moche, chungo, miserabile, жа́лкий, 差劲)
  • das Wildschwein; Plural: die Wildschweine – Kein „Hausschwein“. Wildschweine leben im Wald (boar, sanglier, jabalí, cinghiale, ди́кая свинья́, 野猪)
  • die Sau; Plural hier: die Säue – weibliches Schwein (sod, cochonne, cerda, porca,  свинья́, 畜生)
  • das Ferkel; Plural: die Ferkel – junges Schwein (young pig, goret, cochinillo, porcellino, поросёнок, 乳猪)
  • der Eber; Plural: die Eber – männliches Schwein (boar, verrat, verraco, verro, каба́н, 公猪)

Eisstockschießen

Spiel oder Sport?

Für die einen ist Eisstockschießen ein Spiel. Für die anderen ist es ein Sport. Für die einen zählt vor allem der Freizeitspaß. Für die anderen ist der Wettbewerb wichtiger. Aber alle finden es toll, dass sie im Winter zusammen draußen sein können. Eisstockschießen ist vor allem in den Alpenländern sehr beliebt. Die Regeln sind nicht schwer.

Es gibt zwei Mannschaften. Jeder Spieler hat seinen eigenen Eisstock (ca. 4 kg). Außerdem gibt es zwei kleine Ziele aus Holz oder Kunststoff, die Dauben. Man spielt immer von einer Seite zur anderen und dann wieder zurück. Die Mannschaften müssen mit ihren Eisstöcken so nahe wie möglich an die Daube herankommen. Dafür gibt es nach jeder Runde Punkte. Am Ende gewinnt natürlich die Mannschaft mit den meisten Punkten.

 

Wortschatz:

  • der Eisstock; Plural: die Eisstöcke
  • die Daube; Plural: die Dauben

Nonglak

Hallo! Mein Name ist Nonglak

Ich komme aus Nakhon Si Thammarat, das ist eine Provinz im Süden von Thailand. Von Beruf bin ich Köchin. Mein Mann heißt Rainer und kommt aus dem Süden von Deutschland, aus München. Er arbeitet im Messebau.

Wir haben uns 1994 in Thailand kennengelernt. Seit 1999 sind wir zusammen und 2006 haben wir geheiratet. Seitdem leben wir beide in München. Aber im Winter sind wir immer für zwei Monate in meiner Heimat, bei meiner Familie.

Unser Haus in Thailand

haben Rainer und ich zusammen gebaut. Wir haben gespart und immer wenn wir wieder etwas Geld hatten, haben wir ein Stückchen weitergebaut. Bis das Haus endlich fertig war.

Rainer

Die Farbe und das Logo waren Rainers Idee. Er ist ein großer Fußballfan und sein Lieblingsverein ist natürlich der FC Bayern München. Wir gehen oft zusammen zu den Fußballspielen in die Allianz Arena. Ich mag Fußball nämlich auch. Genau wie meine Familie und unsere Freunde:

Nonglak und Rainer mit Familie

R = Rainer / N = Nonglak

 

Ein paar Fragen an Nonglak und Rainer

Nonglak, wie war das Deutschlernen für Dich?

Der Anfang war ziemlich schwierig. Besonders mit der Grammatik hatte ich Probleme. Aber in meiner Klasse waren ja Ausländer aus vielen Ländern. Zum Beispiel meine beste Klassenfreundin war aus Peru. Wir haben also Deutsch miteinander gesprochen. Und das war sehr gut so. Mein Tipp: viel sprechen und keine Angst vor Fehlern haben. So lernt man am besten.

Hast Du ein deutsches Lieblingswort?

Ich habe sogar einen Lieblingssatz: ‚Schau ma moi‘. Das ist bayerisches Deutsch und bedeutet ‚Schauen wir mal‘ oder ‚Mal sehen‘.

Rainer, kannst Du denn inzwischen auch Thai?

Ja, durch meine vielen Reisen nach Thailand und natürlich auch durch meine Frau habe ich ganz gut Thai gelernt. Das ist auch sehr wichtig, ich möchte mit den Menschen dort ja gerne richtig reden. Mit Englisch kommst du in Thailand nicht besonders weit. Englisch spricht man meistens nur dort, wo viele Touristen sind.

Was gefällt Dir in Deutschland, Nonglak?

Mir gefällt die multikulturelle Gesellschaft hier. Ich mag auch die Biergärten sehr gern. Die Landschaft um den Tegernsee und den Schliersee finde ich besonders schön. Und ich freue mich, dass es in München zwei thailändische Tempel gibt. Dort können Thais und Deutsche sich treffen und zusammen beten.

Und was findest Du nicht so toll hier?

Viele Menschen hier lachen zu wenig und ärgern sich zu schnell und zu oft. Bei uns in Thailand lacht man viel mehr als hier in Deutschland.

Was sagst Du dazu, Rainer?

Das stimmt. In Thailand sind die Menschen so viel herzlicher. Natürlich gefallen mir dort auch andere Dinge, die endlosen Strände und das leckere Essen. Aber durch Nonglak habe ich Thailand viel näher kennengelernt, zum Beispiel auch diese große Freundlichkeit und Herzlichkeit. Und das gefällt mir am allerbesten.

Und was findest Du dort nicht so toll?

Den Massentourismus auf Koh Samui, in Krabi, Phuket und Pattaya zum Beispiel. Und in Phuket und Pattaya kommt leider auch noch der Sextourismus dazu.

Wo seid Ihr lieber, in Deutschland oder in Thailand?

Wir lieben beide Länder. Zur Zeit leben und arbeiten wir zwar vor allem hier in Deutschland. Aber später möchten wir sechs Monate im Jahr in Deutschland leben und die anderen sechs Monate in Thailand.

Vielen Dank, Nonglak und Rainer!

 

Wortschatz:

  • die Provinz; Plural: die Provinzen – eine Provinz ist ein Teil von einem Land (province, province, provincia, provincia, о́бласть, 省)
  • der Messebau; nur Singular – (booth construction, allestimento stand fieristici)
  • bauen; Verb (to build, batîr, edificar, edificare, лепи́ть, 砌)
  • die Allianz Arena – großes Fußballstadion in München
  • der Tegernsee, der Schliersee – zwei kleine Seen in den bayerischen Alpen
  • der Tempel; Plural: die Tempel – religiöser Ort, ähnlich wie eine Kirche (temple, temple, templo, tempio,  храм, 寺庙)

Quiz
Was denken Karl und Barbara?
Welcher Satz gehört zu welchem Bild?
Ordnen Sie zu.
A  Das finde ich wirklich lustig.
B  Das will ich gar nicht hören.
C  Hey! Das ist eine Superidee!
D  Ich fotografiere gern.
E  Das kannst du deiner Oma erzählen.
F  Sag mal, was soll denn das?
G  Ach komm! Tu es für mich!
H  Wie könnte man das machen?

Markieren Sie die nächste Zeile, dann sehen Sie die Lösung:
A7, B8, C2, D1, E3, F5, G4, H6

Orlando di Lasso-Denkmal in München

Orlando di Lasso

Wer Renaissancemusik mag, kennt ihn, aber die meisten Münchner haben den Namen noch nie gehört: Orlando di Lasso wurde 1532 in Mons (heute in Belgien) geboren und ist 1594 in München gestorben.

In München hat er von 1556 bis zu seinem Tod gelebt und als Komponist und Dirigent viel für die Musik getan. In der Stadtmitte auf dem Promenadeplatz gibt es deshalb ein Orlando di Lasso-Denkmal. Oder besser: dort hat es ein Orlando di Lasso-Denkmal gegeben, bis 2009.

Michael Jackson

2009 war ein schlimmes Jahr für die Fans von Michael Jackson, denn in diesem Jahr ist der ‚King of Pop‘ in Los Angeles gestorben. Das hat seine Fans überall auf der Welt sehr traurig gemacht, natürlich auch die in München. Sie haben einen Platz für ein Denkmal gesucht und gefunden: ruckzuck haben sie mit Bildern, Kerzen, bunten Steinen und Blumen aus dem Orlando di Lasso-Denkmal ein Michael Jackson-Denkmal gemacht.

Viele Fans kommen auch heute noch täglich dort hin und bringen frische Kerzen oder Blumen. Wenn Orlando di Lasso das sehen könnte! Was würde er denken? Und wie würde ihm wohl die Musik von Michael Jackson gefallen?

Michael Jackson Denkmal München

Wortschatz:

  • das Denkmal; Plural: die Denkmale oder: die Denkmäler (monument, mémorial, monumento, па́мятник, 纪念碑)
  • der Komponist; Plural: die Komponisten (composer, compositeur, compositor, compositore, компози́тор, 作曲家)
  • der Dirigent; Plural: die Dirigenten (conductor, chef d’orchestre, director, direttore d’orchestra, дирижёр, 指挥,)
  • ruckzuck: umgangssprachlich für ‚ganz schnell‘ oder ’sofort‘ (like the wind, rapidement, rápido, ultrarapido, бы́стро,急速)